Skip to content
edumaterial.netChange language

Back to German

The photo in the family chat

CEFR B2322 words

Nach unserem Familienfest wollte ich ein Gruppenfoto in den gemeinsamen Chat schicken. Darauf standen fast alle vor dem Haus, nur mein Onkel war schon abgereist. Ich hatte das Bild selbst gemacht und fand es gelungen. Meine Schwester bat mich jedoch, es noch nicht zu teilen. Ihr Sohn stand am Rand und blickte müde zur Seite. Sie wollte ihn zuerst fragen, ob er das Foto zeigen möchte. Ich antwortete, dass es doch nur die Familie sehen würde.

Während wir darüber sprachen, erinnerte ich mich an ein Bild von mir, das bei einem früheren Fest entstanden war. Darauf lachte ich mit offenem Mund. Andere fanden es herzlich; ich fand es unangenehm. Mein damaliger Einwand war als unnötige Empfindlichkeit behandelt worden. Nun verwendete ich fast dieselbe Begründung gegenüber meinem Neffen: In der Familie sei das schon in Ordnung. Dass der Kreis klein war, hatte mein eigenes Unbehagen damals aber nicht verringert.

Am nächsten Tag fragte meine Schwester ihren Sohn. Er mochte das Foto, wollte jedoch nicht, dass sein Name darunterstand. Diese Antwort überraschte mich, weil ich mit einer Ablehnung gerechnet hatte. Wir schickten das Bild ohne Namen und ohne einen Kommentar über seinen müden Blick. Mein Onkel erhielt außerdem eine private Nachricht über das Fest. Für ihn war die Nachricht wichtiger als das Foto, auf dem er ohnehin nicht zu sehen war. Beides ließ sich also mitteilen, ohne alle Einzelheiten miteinander zu verbinden.

Seitdem frage ich vor dem Teilen von Gruppenbildern genauer nach. Das bedeutet nicht, dass jedes Foto ein langes Gespräch auslösen muss. Oft reicht eine kurze Frage an die Abgebildeten. Entscheidend ist für mich, dass ihre Antwort etwas verändern darf. Wer fragt und danach trotzdem wie geplant handelt, hat nur den Ablauf verlängert. Ich habe auch nicht gelernt, dass Zurückhaltung grundsätzlich besser sei als Freude am Teilen. Mein Neffe wollte das Bild ja zeigen. Gelernt habe ich vielmehr, zwischen meiner guten Absicht und dem Wunsch anderer nach Einfluss auf ihre Darstellung zu unterscheiden.

Words you may not know

  • Einwandobjection
  • Unbehagendiscomfort
  • die Abgebildetenthe people pictured

Questions

You answer them with the text in front of you. It isn't memory: it's understanding.

  1. Was verändert die Erinnerung an das ältere Foto?

    Sie macht den Widerspruch zwischen dem eigenen Erleben und der jetzigen Begründung sichtbar. — The family circle did not ease their discomfort; they recognise the argument they are now using.

  2. Warum ist die Antwort des Neffen für die erzählende Person überraschend?

    Eine bedingte Zustimmung passt nicht zur erwarteten vollständigen Ablehnung. — He agrees to share the photo subject to a condition, rather than refusing as expected.

  3. Welche Funktion erfüllt die private Nachricht an den Onkel im Argument?

    Sie zeigt, dass Erzählen vom Fest und Teilen des Bildes getrennt möglich sind. — News of the gathering can be conveyed without linking everyone and every detail to the image.

  4. Welche Handlung entspricht dem am Ende genannten Maßstab?

    Eine Antwort führt gegebenenfalls zu einer Änderung der geplanten Darstellung. — Asking is meaningful only if the answer can change what is shared.

  5. Was kritisiert die Person an ihrem eigenen ersten Satz über den Familienkreis?

    Die gute Absicht wird als ausreichender Ersatz für den Wunsch des Abgebildeten behandelt. — They assume a small audience is enough, overlooking the pictured person’s wishes.

  6. Welche Schlussfolgerung geht über das hinaus, was der Schluss begründet?

    Die Zustimmung des Neffen zeigt, dass ein kleiner Familienkreis persönliche Einwände ausreichend berücksichtigt. — The nephew agrees subject to a condition about his name. This does not show that a small family circle is sufficient to address personal objections; the second paragraph provides the narrator’s counterexample.

Continue along this corridor

Next reading →